Eröffnungsrede 100 Jahre vdek

Grußworte/Reden
des Ersatzkassenverbandes
in Thüringen

Eröffnung und Begrüßung

Dr. Arnim Findeklee,

Leiter der Landesvertretung des Ersatzkassenverbandes in Thüringen

anlässlich der Festveranstaltung der vdek-Landesvertretung am 23.5.2012 in Eisenach im Hotel Kaiserhof

 

 

Anrede,

ich habe schon häufig das Wort anlässlich einer Festveranstaltung ergreifen dürfen. Heute widerfährt mir jedoch eine besondere Ehre.

Vor genau 100 Jahren und drei Tagen wurde hier in dieser wunderschönen, durch die Musik geprägten Stadt - der Geburtsstadt von Johann Sebastian Bach, dem authentischen Schauplatz des „Tannhäuser“ - der „Verband Kaufmännischer Eingeschriebener Hilfskassen“ gegründet. Über den Zweck der Verbandsgründung kann in der am 20. Mai 1912 verabschiedeten Satzung nachgelesen werden.

Der Zusammenschluss diente unter anderem dem „Austausch der gegenseitigen Erfahrung und Vertretung der gemeinsamen Interessen, der Abschließung von Verträgen mit Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern, Apothekern, Heilmittellieferanten, Kurverwaltungen…, wie auch der Anlage und dem Betrieb gemeinsamer Anstalten zur Heilung und Verpflegung erkrankter Mitglieder sowie zur Fürsorge von Genesenden“. Eisenach wird die Geburtsstadt des heutigen Ersatzkassenverbandes.

Warum begeben sich deren Gründer gerade nach Eisenach? Bei unseren Recherchen zur Entstehungsgeschichte stoßen wir auf interessante Details:

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts will Eisenach Weltkurbad werden. Zahlreiche Hotels und Gasthöfe eröffnen ihre Pforten. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Gründungsmitglieder gerade deshalb im historischen Stadtzentrum von Eisenach, direkt hier am Nicolaitor im Hotel Kaiserhof treffen, um den Ersatzkassenverband zu gründen. Vieles spricht dafür und eigentlich spricht auch nichts dagegen. Der Kaiserhof, in unmittelbarer Nähe der Bahnanbindung gelegen, ist eines der modernsten Hotels, welches auch über eine Garage verfügt.

Eisenach wird um 1900 zu einer Tagungs- und Kongressstadt. Ein ausgedehntes Villenviertel aus der Gründerzeit erlaubt uns noch heute einen historischen Rückblick auf den einstigen Glanz dieser Zeit.

Am 13. September 1905 gründet der Eigentümer von Saline und Burg Creuzburg, Kommerzienrat Niclaus von Dreyse, gemeinsam mit der Stadt Eisenach und sechs weiteren Gesellschaftern die Kurbad-Eisenach-Gesellschaft. Es folgt der Bau einer Mineralwasser-Kuranlage im Süden der Wartburgstadt. Zu diesem Zweck wird eine Wasserleitung von der Karolinenquelle bei Creuzburg in die Stadt verlegt1. Es entstehen verschiedene Kurhäuser und Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft, der Kartausgarten – der älteste botanische Garten der Wartburgstadt - wird zum Kurpark umgewidmet. Kernstück der Kuranlagen wird die am 8. Juli 1906 eröffnete Trink- und Wandelhalle, die aus dem salzhaltigen Wasser der Karolinenquelle gespeist wird. Der Kurbetrieb, so ist es in den Eisenacher Schriften zur Heimatkunde nachzulesen, wird mit wechselndem Erfolg bis 1938 aufrechterhalten2.

In dieser Zeit gründet sich ein Verband, dem bereits am 23. Oktober 1905 die Gründung eines „Verbandes Kaufmännischer Hilfskassen“ in Magdeburg auf Anregung des Vorsitzenden der „Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen“ vorausgegangen war. Bereits ein Jahr später wird dieser Verband am 27. Oktober 1913 in den „Verband kaufmännischer Ersatzkassen“ umbenannt und handelt Tarifverträge mit Ärzten und Zahnärzten aus. Im Oktober 1916 erscheint unter dem Titel „Die Ersatzkasse“ die erste Verbandspublikation.

Die Bedeutung des 1912 gegründeten Verbandes der Ersatzkassen wird mit dem vollständigen Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung am 1. Januar 1914 deutlich. Die Reichsversicherungsordnung sieht mit Rücksicht auf die Angestellten die Zulassung der Hilfskassen als Ersatzkassen vor3.

Mit der neuen Reichsversicherungsordnung hatte die Regierung 1911 eine wegweisende Reform der Krankenversicherung beschlossen. Diese beschränkt die Rechte der freien Hilfskassen deutlich und stellte sie unter staatliche Aufsicht. Die freien Hilfskassen gelten von nun an als „Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit“. Neugründungen sind nur noch unter bestimmten Bedingungen möglich. Die Zeit war gekommen, sich in einem Verband zu organisieren.

Bei seiner Geburtsstunde vertritt der Ersatzkassenverband 120.000 Mitglieder. Ihm gehören zehn Kassen aus ganz Deutschland an.

100 Jahre später ist der Ersatzkassenverband ein moderner Dienstleister in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Dem Verband gehören sechs Ersatzkassen mit über 25,7 Millionen Versicherten an. Die Ersatzkassen haben sich inzwischen zum Marktführer in der gesetzlichen Krankenversicherung entwickelt. Sie sorgen für ein innovatives, qualitativ hochwertiges und zugleich wirtschaftliches Versorgungsangebot.

Anrede,

an dieser Stelle verlasse ich die meinerseits kurz skizzierte Verbandsgeschichte.

Herr Prof. Eichenhofer wird in seinem Festvortrag sehr viel fundierter auf die wechselvolle Geschichte des Ersatzkassenverbandes als Teil der deutschen Sozialgeschichte eingehen, zu der Ernst Vesper, der Gründer der BARMER GEK einmal sagte:

„Den Ersatzkassen geschieht durch die Gesetzgebung oftmals großes Unrecht, häufig wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Eine Feststellung, die den Verband in seiner bewegenden Geschichte bis in die Gegenwart geprägt hat.

Ich füge dennoch hinzu:

„Für die Ersatzkassen sind die Herausforderungen zu jeder Zeit stets eine reizvolle Aufgabe gewesen. Und nicht selten sind es die Ersatzkassen, die den Weg zu neuen Lösungswegen weisen.“

Anrede,

ich begrüße Sie heute anlässlich unserer Feier, in deren Mittelpunkt wir die 100-jährige Geschichte des Ersatzkassenverbandes zum Anlass nehmen, um mit Ihnen auf eine gemeinsame - durch Höhen und Tiefen gezeichnete - Geschichte zurückzublicken:

Die 100-jährige Geschichte des Ersatzkassenverbandes ist dabei stets geprägt von einer schier unüberschaubaren Zahl einander ablösender ständig wechselnden gesundheits- und sozialpolitischer Gesetzgebungsverfahren.

Für die Ersatzkassen und ihren Verband bedeutet dies stets eine Herausforderung, die es mit dem Blick nach vorn zu meistern gilt.

Sie, verehrte Frau Ministerin Taubert, begleiten uns und unsere Arbeit im Freistaat Thüringen seit 2004 zunächst als kommunal- und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und später als zuständige Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit. Unsere Zusammenarbeit ist stets geprägt vom offenen und fairen Miteinander, aber auch vom Ringen um den richtigen Lösungsweg bei der medizinischen Versorgung im Freistaat Thüringen. Ich begrüße Sie sehr herzlich an diesem historischen Ort und freue mich auf Ihre anschließenden Grußworte.

Ebenso herzlich begrüße ich Sie, Frau Lieske, die Bürgermeisterin der Stadt Eisenach. Wir sind froh, Sie in den bewegten Zeiten für die Stadt kurz nach der Oberbürgermeisterwahl bei uns zu haben. Wir freuen uns auf Ihr Grußwort nach Frau Taubert.

Sehr geehrter Herr Langkutsch,

100 Jahre Ersatzkassenverband bedeuten auch 100 Jahre Selbstverwaltung. Gerade im letzten Jahr, im Jahr der Sozialwahlen, haben Sie uns deren Bedeutung sehr praktisch vor Augen geführt. Sie haben erneut kandidiert und sind wiedergewählt worden. Dazu meinen Glückwunsch. Und Sie haben gesagt: „Für die solidarische Krankenversicherung muss man streiten!“ Ich bin mir sicher, dass Sie bei allen Entscheidungen als unser stellvertretender Verbandsvorsitzender immer die Interessen der Versicherten im Blick haben.

Die Selbstverwaltung ist tragendes Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Sie ist nicht nur Kontrollorgan für Vorstände und Verwaltungen der Krankenversicherungsträger, sondern auch Zeichen von demokratischer Mitsprache der Versicherten. Denn die Versicherten entscheiden durch ihre in die Verwaltungsräte der Kassen gewählten Vertreter über wesentliche Belange der gesetzlichen Krankenversicherung mit. Anders als in rein staatlich oder rein privatwirtschaftlich organisierten Gesundheitssystemen ist die selbstverwaltete gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland Ausdruck von Subsidiarität und Staatsferne, von Beteiligung der Betroffenen, von Eigenverantwortung, Solidarität und Demokratie.

Ich bin gespannt auf Ihren Vortrag, in dessen Mittelpunkt 100 Jahre Selbstverwaltung, Solidarität und Pluralität stehen.

Anrede,

100 Jahre Ersatzkassenverband: Das ist auch die Geschichte der Gemeinschaft der Ersatzkassen und deren Zusammenwirken mit den anderen im Wettbewerb verbundenen Krankenkassen.

100 Jahre Ersatzkassenverband: Das ist auch die Geschichte einer langen Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern und den vielen anderen in der medizinischen Versorgung fachlich und gesundheitspolitisch Tätigen.

Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, Sie als Vertreter aller dieser Interessensgruppen oder der jeweiligen Einrichtungen mit den unterschiedlichen medizinischen und pflegerischen Kapazitäten begrüßen zu dürfen.

Unter unseren Gästen begrüße ich deshalb besonders:

  • für die etwa 3.400 Ärzte des Freistaates Thüringen, Herrn Auerswald von der Kassenärztlichen Vereinigung;
  • für die über 1.700 Zahnärzte des Landes, Herrn Dr. Rommel von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung;
  • für die 44 Krankenhäuser Thüringens, Herr Lorenz von der Landeskrankenhausgesellschaft;

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich nicht alle hier Anwesenden persönlich begrüßen kann. Das würde meinen Zeitrahmen sprengen. Ich möchte meine Begrüßungsliste deshalb mit folgenden Gästen beenden und bitte um Nachsicht bei Ihnen, die ich nicht namentlich erwähnen konnte:

Stellvertretend für unsere Mitgliedskassen im Freistaat Thüringen möchte ich den Vorsitzenden des vdek-Landesausschusses,

Herrn Schneider von der KKH-Allianz

sowie die Landesgeschäftsführer von der

BARMER GEK, Herrn Loose

DAK-Gesundheit, Herrn Kaiser und

Techniker Krankenkasse, Herr Dressel begrüßen.

Mit ihren qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem dichten Netz von Geschäftsstellen betreuen unsere Ersatzkassen etwa 660.000 Versicherten in Thüringen. Durch Verträge mit Ärzten, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern sorgen sie für eine qualitativ hochwertige und umfassende medizinische Versorgung.

Zu guter Letzt gestatten Sie mir persönlich jene zu begrüßen, mit denen die vdek-Landesvertretung zahlreiche Jahre des gemeinsamen Schaffens verbindet:

Lieber Herr Schulze, als Sie im März 1991 Ihre Tätigkeit in der Erfurt als Einzelperson begannen, war noch nicht absehbar, welch rasante Entwicklung in den kommenden Jahren vor Ihnen steht. In übersichtlicher Größe mit einem fünfköpfigen Team begannen Sie Ihre Arbeit als erster Leiter der Thüringer Landesvertretung. Ihnen folgte 1996 Michael Domrös.

Lieber Michael, ich heiße auch Dich herzlich in unserem Kreise willkommen. Du hast die Landesvertretung genau 16 Jahre geleitet und hast ein gehöriges Stück vdek-Geschichte auf Landesebene mitgeschrieben.

Herzlich begrüßen möchte ich auch Sie, sehr geehrte Frau Licht, Vorsitzende des DGB in Thüringen. Die Geschichte der Ersatzkassen und ihres Verbandes ist stets eng mit der Geschichte von Gewerkschaften und deren Verbänden verbunden.

Herzlich begrüßen möchte ich besonders Herrn Prof. Eichenhofer. Wir sind gespannt auf Ihren Festvortrag „100 Jahre deutsche Sozialgeschichte – 100 Jahre Ersatzkassenverband“. Wir freuen uns auf Ihre Ausführungen.

Anrede,

ein kluger Mensch hat einmal den Satz geprägt:

Die Gegenwart ist kein weiter Raum, sondern der Punkt, wo die Vergangenheit aufhört und die Zukunft anfängt.

Genau an diesem Punkt sind wir nun angekommen. Ich würde diesem Gedanken noch eine weitere Lebenserfahrung hinzufügen wollen:

Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift. (Sun Tzul)

Die Geschichte des Ersatzkassenverbandes muss wohl eine chancenreiche Geschichte gewesen sein!

Ich ergreife jetzt erst einmal die Chance und eröffne unsere Veranstaltung.

Ich wünsche Ihnen einen ereignisreichen Tag und danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Quellenangaben:

1.PM der Stadt Eisenach vom 3. Juli 2006 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Wandelhalle

  Horst Schmidt, Hans-Henning Walter Geschichte des Creuzburger Salzwerkes.

2Eisenacher Schriften zur Heimatkunde Heft 39 Eisenach, 1988 S.66f

3 www.forum-gesundheitspolititk.de

4 Jahrbuch der Krankenversicherung, Berlin 1919 ff.

 

Festvortrag

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100 Jahre vdek - 100 Jahre deutsche Sozialgeschichte

Festvortrag von Prof. Dr. Dr. h. c. Eberhard Eichenhofer, Lehrstuhlinhaber für Sozialrecht und Bürgerliches Recht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

 

Ihre Ansprechpartnerin:

Kerstin Keding-Bärschneider

vdek-Landesvertretung Thüringen

Lucas-Cranach-Platz 2

99099 Erfurt

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